Eigen/Sinn – Werke aus der Sammlung des Brandenburgischen Landesmuseums für moderne Kunst, ausgestellt im Bundesrat Berlin

Hans Ticha

Der Maler und Grafiker Hans Ticha verdiente seinen Lebensunterhalt in der DDR hauptsächlich mit dem Illustrieren von Büchern und Magazinen. Allein in den Jahren von 1959 bis 1990 findet man in seinem Werkverzeichnis 73 illustrierte Bücher, 63 Einbandgestaltungen, 30 Illustrationsbeteiligungen und zahlreiche Magazin-Gestaltungen.

Nicht grundlos jedoch wird Hans Ticha heute als „der bedeutendste und interessanteste Kritiker des Massen- und Propagandadesigns der DDR“ vom Kunstkritiker Eduard Beaucamp beschrieben. Hinter verschlossenen Türen „tobte sich“ der Künstler in einer nahezu aggressiven Offenheit in der Malerei aus, die in der DDR nie ausgestellt wurde. Die zentrale Thematik seiner Werke war dabei die Selbstdarstellung der modernen Diktatur, welche er durch eine stilisierte, kalte und zwanghafte Bildsprache einer profunden Kritik unterzog. Der anfangs kritisch-parodistische Grundton steigerte sich Ende der 1970er-Jahre dabei immer mehr zu scharfem Spott und höhnischen Persiflagen. Aus Angst vor Repressalien und Gefängnis kannte nur ein kleiner, eingeweihter Kreis Hans Tichas Malerei und freie Grafik.

Seine Themen schöpft der Künstler aber nicht nur aus dem gesellschafts-politischen Kontext der DDR. Sein – im übertragenen Sinne spitzer – Pinsel geht mit Massenmedien, Konsum, jeglicher Art von Totalitarismen und Konformismus hart ins Gericht.

Bildauswahl

Hans Ticha, 1940 in Tetschen-Bodenbach/Tschechien geboren, lebt und arbeitet in Maintal

1958 – 1962 Studium Pädagogik, Karl-Marx-Universität Leipzig

1965 – 1970 Studium, Kunsthochschule Berlin-Weißensee

1970 – 1990 freischaffender Maler, Grafiker und Buchillustrator in Berlin

1993 Umzug nach Hessen