Eigen/Sinn – Werke aus der Sammlung des Brandenburgischen Landesmuseums für moderne Kunst, ausgestellt im Bundesrat Berlin

Erika Stürmer-Alex

Versucht man Erika Stürmer-Alex‘ Stil zu beschreiben, so fällt schnell auf, dass bei der Künstlerin gar nicht „ein“ bestimmter Stil zu finden ist. Mit einer erstaunlichen Mehrspurigkeit verwendet die aus dem Oderbruch stammende Künstlerin verschiedenste künstlerische Techniken, welche sich immer analog zu ihren Themen und Fragestellungen ändern. Die Form wird somit direkt vom Inhalt determiniert. Ihre Werke reichen so von expressiv-zeichenhaften Malereien und kalligrafisch-lyrischen Aquarellen sowie Zeichnungen über multimediale Installationen und Objekte bis hin zu Fotokopien, Fotocollagen und Videosequenzen. Relativ häufig sind dabei kubistische und expressive Anklänge zu finden.

Weder Erika Stürmer-Alex noch Ihre Kunst sind laut. Die Stärke des Werks ebenso wie die der Künstlerinnenpersönlichkeit liegt in der beharrlichen Kontinuität einer Haltung, die das Œuvre durchgängig kennzeichnet. Schon in der DDR schuf Erika Stürmer-Alex für sich und andere Handlungsräume. 1982 gehörte sie zu den ersten Unterzeichner*innen des von Robert Havemann und Rainer Eppelmann verfassten „Berliner Appells“, in dem die nukleare Abrüstung und eine dauerhafte Grundlage einer Friedensordnung angestrebt wird. Durch den Erwerb des Hofes Lietzen, der ihr selbst, aber temporär auch anderen Künstlerinnen als Arbeitsort dient, stellte sie in hohem Maße auch einen sozialen Freiraum her. Jener Ort kollektiven Denkens ist bis zum heutigen Tag Garant für die Stabilität von Künstlerinnennetzwerken, deren gemeinsame Arbeit in Workshops, Ausstellungprojekten und Land-Art-Aktivitäten niederschlägt.

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Erika Stürmer-Alex, 1938 geboren in Wriezen, lebt und arbeitet in Lietzen

1958-1963  Studium Malerei, Grafik und Kunst, Hochschule für bildende und angewandte Kunst, Berlin-Weißensee

1970-1987 Kursleiterin für Malerei und Grafik, Kulturhaus Rüdersdorf bei Berlin

1982 Umzug nach Lietzen, Gründung des Kunsthof Lietzen

1982 Unterzeichnerin „Berliner Appell“, für freie Meinungsäußerung und Ost-West-Frieden

seit 1983 jährliche Kunstkurse auf dem Kunsthof Lietzen

1991^Mitgründerin des Endmoräne-Künstlerinnen aus Brandenburg und Berlin e.V.

1992 – 1995 Dozentin an der Musik- und Kunstschule Frankfurt (Oder)

2015 Ehrenpreis des Brandenburger Ministerpräsidenten für ihr Lebenswerk